SKJB BW veröffentlicht erste Ergebnisse des Projekts „Landesjugendforum BW“
Im Rahmen des Projekts Landesjugendforum BW haben 2025 siebzehn Design- und Dialogwerkstätten stattgefunden, an denen 258 junge Menschen im Alter von 14 bis 27 Jahren und Fachkräfte teilgenommen haben. Die hierbei erarbeiteten ersten Qualitätskriterien für Jugendbeteiligung auf Landesebene haben sich in den einzelnen Veranstaltungen zielgruppenübergreifend wiederholt und bestätigt.
Der Fokus lag auf der Erreichung von jungen Menschen aus verschiedenen Lebenswelten. Viele der Designwerkstätten fanden in den Schutzräumen der jungen Menschen in Kleingruppen statt, beispielsweise in einem Mutter-Kind-Wohnheim oder einer stationären Jugendhilfeeinrichtung. In den Designwerkstätten wurde mit den jungen Menschen erarbeitet, was sie in ihrer jeweiligen individuellen Lebenslage für Anforderungen an eine Beteiligung auf Landesebene haben.
Politischer Wille
Schlagworte: Vertrauen, Ernsthaftigkeit, Wertschätzung, Verbindlichkeit, Verlässlichkeit
Jugendbeteiligung auf Landesebene muss von Politik und Verwaltung gewollt und ernst gemeint sein. Das heißt, Beteiligungsergebnisse müssen zeitnah umgesetzt werden, „auf Worte müssen Taten folgen“ (Zitat Designwerkstatt). Es ist wichtig, ein gemeinsames Beteiligungsverständnis zu etablieren und damit auch die Beteiligungsspielräume zu definieren. Junge Menschen brauchen ein wirkmächtiges Mitspracherecht. Dafür benötigen sie eine echte Auseinandersetzung der Politik mit ihren Beteiligungsergebnissen und transparente Rückmeldungen. Selbstwirksamkeit muss für junge Menschen erfahrbar werden. Und bei all dem und währenddessen und zwischendurch braucht es Wertschätzung für das Engagement junger Menschen.
Gesetzlicher Rahmen
Schlagworte: Regeln, Legitimation, Unterstützung, Themenwahl, Antidiskriminierung
Seitens junger Menschen wird die Notwendigkeit formuliert, Regelungen zur Definition des Handlungsspielraums der Jugendbeteiligung auf Landesebene zu etablieren. Zu regeln sind dabei Punkte wie beispielsweise die Legitimation des Jugendbeteiligungsformats, dessen Einfluss- und Entscheidungskompetenzen sowie die Themenauswahl. Für die Regelungen von Entscheidungsmechanismen und den Handlungsspielraum innerhalb des Beteiligungsformates ist es den jungen Menschen wichtig, dass alle Stimmen gleich viel Gewicht haben. Assistenzbedarfe für diejenigen, die mehr Unterstützung brauchen, um ihrer Stimme Gewicht zu verleihen, müssen berücksichtigt werden. Wichtig ist den jungen Menschen außerdem die Sicherstellung von Barrierefreiheit und die Entgegenwirkung von Ausgrenzung und Diskriminierung.
Vielfältige Lebenswelten
Schlagworte: Freiwilligkeit, Barrieren, Begleitung, Qualifizierung, Fachberatung
Wenn sich die Landespolitik zum Ziel setzt, eine vielfältige Bandbreite junger Menschen zu erreichen, muss sie sich in die Lebenswelten junger Menschen begeben, um sie unabhängig von ihrer Lebenssituation zu beteiligen. Es braucht verschiedene und passgenaue Settings.
Für die jungen Menschen ist es wichtig, dass es Verständnis für individuelle Problemlagen, Bedürfnisse und Lebensumstände gibt. Barrieren müssen abgebaut und Zugangschancen geschaffen werden. Das inkludiert beispielsweise altersgerechte, verständliche und zu Teilen leichte Sprache. Diese Art der Umsetzung setzt pädagogische Begleitung voraus. Zudem braucht es qualifiziertes Fachpersonal, das als inhaltliche Assistenz der jungen Menschen fungiert und eine Aufbereitung der Informationen vornimmt. Junge Menschen sollen die Möglichkeit haben, selbstständig Expert*innen zu fachspezifischen Themen in das Beteiligungsformat einzuladen.
Formate und Zugänge
Schlagworte: Lebenswelten, Zeitbudget, Orte, Niederschwelligkeit
Die Konzeption muss mehrgleisig arbeiten. Um die Vielfalt der jungen Menschen zu erreichen, braucht es mehrere Zugänge bzw. Formate für unterschiedliche junge Menschen. Die beteiligten jungen Menschen betonen, dass die Formate in ihren Lebensräumen stattfinden müssen. Das heißt konkret: Es darf nicht nur eine Form der Beteiligung geben. Verschiedene Formate müssen an verschiedenen und wechselnden Orten in Baden-Württemberg stattfinden. Beteiligung muss außerdem nebenher möglich sein, auch für junge Menschen mit kleinem Zeitbudget.
Kommunikation und Wissensvermittlung
Schlagworte: Ansprache, Sichtbarkeit, Transparenz, Vermittlung Beteiligungsrechte
Jugendliche und junge Menschen müssen ihre Beteiligungsrechte kennen, als Basis einer selbstbestimmten Teilhabe innerhalb der Gesellschaft. Für junge Menschen ist das die Voraussetzung, um an Beteiligungsformaten auf Landesebene teilnehmen zu können. Zielgruppenangepasste Werbung und strategische Kommunikation zur Sichtbarkeit der Beteiligungsmöglichkeiten ist genauso wichtig wie Transparenz über die Prozesse und Ergebnisse, an denen mitgearbeitet wird. Die selbstbestimmte Teilhabe baut auch auf positiven Beteiligungserfahrungen im Kleinen auf: in der Kommune, im Jugendhaus oder in der Familie. Diese Erfahrungen können das Engagement auf Landesebene stärken.
Themenauswahl
Schlagworte: Jugendrelevanz, Erfahrungswerte, Interessen, Entscheidungsmacht
Junge Menschen haben eine andere Sicht darauf, welche Themen jugendrelevant sind, als das Politik oder Verwaltung haben. Die beteiligten jungen Menschen wollen selbst entscheiden zu welchen Themen sie sich beteiligen. Als spannende Beobachtung lässt sich berichten, dass der Erfahrungsgrad an Beteiligung in der eigenen Biografie Auswirkungen darauf zu haben scheint, für welche Themengebiete Interesse besteht. Dabei haben junge Menschen mit weniger Beteiligungserfahrung tendenziell mehr Interesse an Themen mit für sie emotionaler Relevanz. Junge Menschen mit mehr Beteiligungserfahrung haben oft mehr Interesse daran, auch an Strukturen zu arbeiten.
Zum Projekt
Die Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung BW (SKJB) hat vom Landesjugendkuratorium BW den Auftrag erhalten, bis Ende 2026 Handlungsempfehlungen zur Konzeptionierung einer wirkmächtigen und nachhaltigen Beteiligung auf Landesebene zu erarbeiten. Dafür arbeitet die SKJB im Projekt „Konzeptionierung eines landesweiten, dauerhaften Forums der Jugendbeteiligung in Baden-Württemberg“ (kurz: Landesjugendforum Baden-Württemberg) eng mit jungen Menschen aus vielfältigen Lebenswelten, Fachkräften sowie Vertreter*innen aus Politik und jugendpolitischen Akteur*innen zusammen.
Das gesamte Projekt wird durch eine junge Expert*innengruppe begleitet, die ihre Perspektiven in die einzelnen Schritte des Projekts einbringt. In Designwerkstätten finden wir mit unterschiedlichen Gruppen von jungen Menschen gemeinsam heraus, was ihnen wichtig ist und was sie brauchen, um sich auf Landesebene gut beteiligen zu können. In Dialogwerkstätten gehen wir mit Fachkräften und jugendpolitischen Akteur*innen in die Diskussion. Die Veranstaltungen dienen dazu, die Bedürfnisse und Voraussetzungen für gute Beteiligung auf Landesebene zu sammeln und aus verschiedenen fachlichen Perspektiven zu betrachten.
Im zweiten Halbjahr des Jahres 2026 werden die Handlungsempfehlungen öffentlich präsentiert, diskutiert und der Politik und dem Landesjugendkuratorium übergeben.
Das Projekt Landesjugendforum BW wird finanziert durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration aus Landesmitteln, die der Landtag von Baden-Württemberg beschlossen hat.
Mehr Infos und Ansprechpartner zum Projekt auf der Homepage der SKJB.