Öko-fair-sozial – So geht´s in der Jugendarbeit

Bericht des Fachforums zu Nachhaltiger Beschaffung am 28.03.2019

Am 29.3.2019 nutzten etwa 30 Teilnehmer*innen aus den Jugendverbänden und den Ringen die Möglichkeit sich mit dem Thema der nachhaltigen Beschaffung in der Jugendarbeit auseinander zu setzen. Dafür haben wir zum einen Philipp Scheffbuch, der öko-faire Textilien am Neckartor verkauft (www.schlechtmensch.de) und Matthias Kästner, der ein Direktvermarkter-Projekt in ein erfolgreiches Unternehmen überführt hat, eingeladen. Für die Teilnehmenden ging es u.a. um die Frage, geeignete Bereiche zur Umstellung auf öko-fair-sozial für ihren Verband/ihre Organisation zu finden.

Philipp Scheffbuch hat sehr anschaulich darstellen können, dass wir in Baden-Württemberg mit derzeit ca. 32% GRÜNEN-Wähler eigentlich ein deutlich größeres Potential an grünen Einkäufern haben sollten. Allerdings stellt er eine große Lücke zwischen gesagten Zielen und tatsächlichen Handlungen fest. Dies führt dann in allen Bereichen, also im ganz persönlichen und auch im politischen zu einem Glaubwürdigkeitsproblem. Wir in der Jugendarbeit sollten uns vor allem unserer enormen Vorbildfunktion bewusst sein, denn wir müssen nicht unbedingt mit Bildungseinheiten Überzeugungsarbeit leisten, sondern hauptsächlich durch unser eigenes Handeln, welches die Kinder und Jugendlichen dann einfach nachmachen können.

Auch in Europa werden Menschenrechte mit Füßen getreten und Hungerlöhne in Abhängigkeitsverhältnissen bezahlt. Dies hat Matthias Kästner in seiner mitgebrachten Dokumentation sehr deutlich veranschaulicht. Bereits im Dezember werden 150% Orangen auf den Markt geworfen und machen so die Preise für die Erzeuger kaputt und sorgen für ein massives Überangebot, obwohl die Erntezeit der Orangen bis weit in den Juli und August reicht. Matthias Kästner importiert nur in den Zeiten Waren aus Portugal in denen der deutsche Markt kein Obst hergibt. Dafür hat er in Portugal ein großes Netzwerk aufgebaut, zahlt seinen Erzeugern das ganze Jahr über dieselben festgelegten Preise und ist so zu einem verlässlichen Handelspartner geworden. Sein Unternehmen, das sich aus einem kleinen Projekt entwickelt hat, zeigt sehr schön auf, wie viel wir bewegen können, wenn wir es wirklich wollen.

Die anschließende Diskussion der Teilnehmer*innen mit den Referenten, bei der sich auch Ulrich Kirchenbauer von RENN.Süd, David Jans von Foodsharing e.V. sowie Silke Müller-Zimmerman vom Klimaschutze Weissach e.V. engagiert einbrachten, zeigte auf, an welchen Stellen wir in der Jugendarbeit schon aktiv sind und an welchen Stellen wir Potential haben Gewohnheiten zu durchbrechen. 

Wie geht es weiter? Projekt N-Scouts

Unsere Vision ist es, dass 25 Mitgliedsorganisationen des LJR bis zum Jahr 2025 nach gemeinsam festgelegten Kriterien öko-fair-sozial wirtschaften und dass suffizientes Handeln ein Begriff ist.

Das Fachforum war für das Projekt N-Scouts des Landesjugendringes ein erster Meilenstein. Es hat gezeigt, dass das Interesse an diesem Thema in den Verbänden und Ringen groß ist. Das Projekt N-Scouts zielt nun darauf ab, dass Akteur*innen Nachhaltigkeitsprozesse jugendorientiert und selbstorganisiert in ihren Organisationen anstoßen. Die Mitgliedsorganisationen beteiligen sich am Projekt N-Scouts möglichst in einem Tandem, dass heißt mit zwei Akteur*innen pro Organisation. Die N-Scouts werden von ihren Organisationen entsandt und haben ein klares Mandat die Beschaffungsstrategie (in einzelnen Bereichen) umzustellen.

Im Herbst 2019 werden dazu zwei aufeinander aufbauende Veranstaltungen durchgeführt, die zum einen die Inhalte vertiefen und zum anderen den/die Hebel aufzeigen sollen, an denen wir ansetzen können.

Interesse mitzumachen?

Dann melde dich bis Anfang Juni bei Katja Hannig-Fischer
(hannig@ljrbw.de 0711 1644729)