Klassismus – oder „Die da unten“

Fachgespräch zu Bedeutung und Wirkungen von Klassismus, am 18.04. in Stuttgart

Wie können Erfahrungen von Ausgeschlossenheit und Abwertung in der Gesellschaft, die auch zahlreiche Kinder und Jugendliche betreffen, in der konkreten pädagogischen Praxis thematisiert werden? Fachkräfte der sozialen und pädagogischen Arbeit werden wissen: Die Geschichte „vom Tellerwäscher zum Millionär“ ist vor allem eines – eine Geschichte. Tagtäglich haben wir vor Augen, dass jeder Mensch ganz unterschiedliche Privilegien und Voraussetzungen hat, um „seines Glückes Schmied“ zu werden. Die beiden Sprichwörter zeigen: Ökonomischer Erfolg als Glücks-Messlatte und die eigene Anstrengung zum Erreichen – oder Nichterreichen! – dieses Ziels werden in unserer neoliberal geprägten Gesellschaft sehr hoch gehängt.

Gleichzeitig ist es aber Realität, dass Menschen über lange Zeit und systematisch die für eine gesellschaftliche Anerkennung und ökonomischen Erfolg notwendigen Ressourcen vorenthalten werden. Zahlreiche verachtende Stereotype ranken sich um die „Unterschicht“. Sie werden oft als „Schmarotzer“, „Assis“, als faul, dumm, roh und verwahrlost dargestellt.

Soziale Abwertungserfahrungen sind direkt mit diesen Logiken verbunden und beeinflussen auf vielfältige Weise das alltägliche Leben der Menschen. Der Begriff „Klassismus“ beschreibt demnach die Erfahrung persönlicher Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres ökonomischen Status als gesellschaftliches, strukturelles Problem. Treten wir hier in unseren Einzelfallbetrachtungen nicht auch oft genug in die Falle, eingeschliffene soziale Praktiken nicht zu hinterfragen und Problemlagen zu individualisieren?

Weitere Inhalte des Fachgesprächs sind: Wie können wir ökonomische Problemlagen, schulische Ungleichbehandlungen aufgreifen? Wie sind die Auswirkungen dieser Abwertungen? Wie sind die Mechanismen und Wirkungen von Klassismus?

Ziel ist es zu klären, welche Bedeutung das Konzept und der Begriff „Klassismus“ für die Kinder- und Jugendarbeit hat und wie wir zukünftig damit arbeiten.

Referentin: Johanna Bröse, Dipl.-Päd.

Organisatorisches

Termin: 18.04.2018, 14:00 bis 17:00
Ort: Haus der Jugendarbeit // Siemensstraße 11, 70469 Stuttgart
Die Teilnahme am Fachgespräch ist kostenlos

Infos und Anmeldung bei der Akademie der Jugendarbeit BW: www.jugendakademie-bw.de