Jugend(verbands)arbeit in Gefahr – wie riskant ist Sicherheit?

Ermutigungen für Bildungs­referent*in­nen in der Kinder- und Jugendarbeit – BiRef-Fachtag 2019, 10.04.2019 in Stuttgart

Wie gestalten wir Frei- und Lernräume in einer Zeit der zunehmenden Sicherheitsdoktrin? Welche­ Verantwortung habe ich als Pädagog*in? Beim BiRef-Fachtag 2019 suchen wir gemeinsam mit dem Referenten Jürgen Einwanger (“Mut zum Risiko”) nach Antworten auf diese Fragen.

Risiko als Entwicklungsfaktor

Risiko ist ein Grundelement jeder Entwicklung! Oder wie Ex-Bundespräsident Walter Scheel es einmal formulierte: „Nichts geschieht ohne Risiko, aber ohne Risiko geschieht auch nichts!“ Die Verän­derungen und nötigen Anpassungen in der menschlichen Entwicklungsgeschichte waren nur durch das Eingehen von Unsicherheit und damit dem Bewältigen von Risiken möglich.

Ebenso braucht auch die persönliche Entwicklung die Möglichkeit, den Umgang mit neuen, und daher implizit ungewissen Situationen zu erlernen. Aufgabe­ der Eltern – bzw. der „Älteren“ ist es, die nächste Generation­ möglichst­ gut auf ihr Leben vorzu­bereiten. Schlagwörter wie Resilienz und Ambiguitäts­toleranz kreisen durch die Literatur und Vortragssäle der Pädagogik.

Vollkaskomentalität vs. Freiräume

Unsere Gesellschaft lebt aber einen „Gegentrend“ und versucht verzweifelt immer mehr Sicherheit herzustellen. Vollkasko­versicherungs­mentalität, Verantwortungsabgabe, zunehmende Regelungsdichte und Gesetze unter­streichen und verdeutlichen diese Entwicklung, die zunehmend auch politisch instrumentalisiert werden. Insbesondere Kinder und Jugendliche brauchen aber Entwicklungs-Freiräume und Lernfelder, in denen sie breitgefächerte Kompetenzen und Fähigkeiten ent­wickeln, die ihnen wiederum bei der Bewältigung bevorstehender Unsicherheiten des Lebens hilfreich sind.

Besonders paradox erscheint, dass sehr viele der heute Erwachsen­en sich an eine Kindheit in der Natur und ohne Aufsicht erinnern – unterwegs mit Gleich­altrigen, explorativ­ die Welt erobernd. Doch heute werden solche­ Freiräume oft nicht mehr zugelassen. Zwar sehen (fast) alle Erwachsenen ein, dass es diese Räume auch heute­ noch braucht, aber die meisten haben Angst und sind verunsichert – u.a. wegen der Gesetzgebung zur Aufsichts­pflicht und Haftung. Aber: wer macht diese Regeln und wer kann sie ändern und sind diese Regeln wirklich so beängstigend?

Freiräume schaffen!

Es wird Zeit, sich nicht hinter den Gesetzen zu ver­stecken­, sondern unsere Verantwortung als Pädagog*innen in den Vordergrund zu stellen und diese ernst zu nehmen­. Wir wollen diesen Tag nutzen, um gemeinsam nach Ideen und Möglichkeiten einer mutigeren Pädagogik­ zu suchen, die Zuversicht vor Angst stellt!

In diesem Sinne freuen wir uns sehr darauf, den Tag gemeinsam­ mit euch zu gestalten!
Thomas Schmidt (Landesjugendring BW)
Anja Mütschele (Akademie der Jugendarbeit BW)

Referent

Jürgen Einwanger, Dipl. Sozpäd. (FH),
Österreichischer Alpenverein, Leitung Akademie / Bildungsreferent Alpenvereinsjugend;
Autor „Mut zum Risiko. Herausforderungen für die Arbeit mit Jugendlichen.“ (2007)

Zielgruppe

Bildungsreferent*innen der Jugendverbände in Baden-Württemberg

Flyer zum Download

Organisatorisches

Termin: Mittwoch, 10.04.2019
+ Brezelfrühstück ab 9:30 Uhr
+ Pünktlicher Beginn um 10.00 Uhr
+ Mittagessen zwischen 13:00 und 14:00 Uhr
+ Ende 17:00 Uhr

Tagungsort: aktivparkBergheide Stuttgart
Bergheide 4, 70376 Stuttgart
Anfahrt: www.aktivparkbergheide.de/kontakt
Bitte festes Schuhwerk mitbringen!

Anmeldung über die Akademie der Jugendarbeit:
www.jugendakademie-bw.de/veranstaltungen
Anmeldeschluss: 25. März 2019

Kosten: Teilnehmer*innen Beitrag 25,-€
darin enthalten sind Verpflegung und Fahrtkosten­erstattung (für Juleica-Inhaber*innen 20,-€)
Verpflegung: vegetarisch

Juleica-Punkte: 8 Einheiten