Gute Kommunikation ist viel wert

Eindrücke der Austauschveranstaltung “Jugendbeteiligung ist am Zug!”

In St. Georgen, der Stadt mit dem höchstgelegenen Bahnhof der Schwarzwaldbahn, trafen sich am 12. Mai etwa 100 junge Menschen aus ganz Baden-Württemberg sowie Jugendreferent*innen und Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung. Im Mittelpunkt stand der gegenseitige Austausch, für den vor allem viele Jugendgemeinderäte angereist waren.
Es wurde über gelingende Formen der Jugendbeteiligung, über Projekte, mögliche Hürden und Konfliktfelder gesprochen. Aber auch andere Themen, die die Jugendlichen betreffen, wurden diskutiert, wie die vielen Veränderungen in der Schullandschaft oder alternative Mobilitätskonzepte für den ländlichen Raum.

Besonders bewegte alle die Frage, was die anderen so machen. Etwa 30 Minuten hatten die Teilnehmenden während der Aufwärm-Phase Zeit, sich frei mit anderen zu unterhalten und um Kontakte zu knüpfen. Lara vom Jugendgemeinderat St. Georgen will vor allem erfahren, wofür sich andere Jugendgemeinderäte so einsetzen und sich „einfach mal austauschen“. Besonders der Austausch mit den Metzingern fand sie gut, denn „bei denen ist es eigentlich komplett anders als bei uns“, schon was die Betreuung durch die Stadt angeht.
Die Vielfalt der Beteiligungsformen und -konzepte wissen auch die anwesenden Erwachsenen zu schätzen: In der Stadtverwaltung Tuttlingen stehe man beispielsweise noch ganz am Anfang der Jugendbeteiligung, sagt Nadine, Mitarbeiterin im Stadtjugendreferat. Sie sammelt Ideen für ein gutes Konzept zur Umsetzung.

Was macht Jugendbeteiligung stark?

Die Betreuung durch die Stadt und die Zusammenarbeit mit politischen Gremien waren auch in der anschließenden Workshop-Phase Thema. Z.B. in der Austauschrunde für Jugendreferent*innen. Zwar wissen die meisten positives zu berichten – einen Gemeindevorstand, der die Jugendlichen bei ihrem Engagement unterstützt und direkte Kommunikationswege, beispielsweise durch feste Ansprechpersonen in der Gemeindeverwaltung. Aber auch Negativbeispiele werden diskutiert, z.B. solche, in denen der Jugendgemeinderat nicht ernst genommen oder mit Vorurteilen konfrontiert wird.

Ein Patentrezept kann freilich in der Kürze der Zeit nicht erstellt werden, aber der gegenseitige Austausch fördert viele Ideen zutage: man müsse gute Kommunikationsstrukturen schaffen, um ernsthafte Absprachen treffen zu können, Anliegen in den Gemeinderat einzubringen und um sich zu informieren, wann und wo Entscheidungen gefällt werden. Es sollte ein gutes Verhältnis zum Bürgermeister bzw. zur Bürgermeisterin gepflegt werden, indem aktiv eingeladen wird und Einladungen zu Gesprächen gefolgt und sich auf diese vorbereitet wird.
Nicht immer gibt es eine feste Ansprechperson für Jugendbeteiligung, hier können viele Gemeinden noch nacharbeiten. Und auch wenn es um die Finanzen geht, kann noch einiges verbessert werden: ein angemenssenes Budget für Jugendbeteiligung, das sich an der Einwohnerzahl orientiert, sollte immer vorhanden sein.

Was das Engagement der Jugendlichen in ihren Beteiligungsformaten angeht, schwanken die Erfahrungswerte sehr. Fest steht: Die Qualität der Beteiligung im Jugendgemeinderat wächst mit der Anzahl der Projekte, die die Interessen der Leute treffen. Auch hier ist gute Kommunikation viel wert.
Bei der Werbung für die Mitarbeit gehen die jungen Leute eher klassische Wege: mit Flyern, Werbung im kommunalen Kino, über Facebook, Instagram und nicht zuletzt ein gehöriges Maß an Mundpropaganda bringen sie nicht nur Leute an die Wahlurnen, sondern auch neue Kandidat*innen auf die Stimmzettel. Vor allem Schulen sind dafür ein wichtiger Ort, denn immerhin sind da besonders viele Jugendlichen anzutreffen ‒ und um diese geht es!

„Wir müssen selbst etwas tun“

Die Veranstaltung machte deutlich, dass Jugendbeteiligung längst mehr als nur ein Schlagwort ist. Allerdings muss noch viel passieren, damit sie zum Alltag wird. Allen voran heißt das, die Anliegen und Ideen junger Menschen ernst zu nehmen und ihnen eine aktive Mitgestaltung ihres Lebensumfelds auch zuzutrauen. Der Willen dazu ist da: „Wenn wir was bewegen wollen, müssen wir selbst etwas tun“, sind sich die Jugendlichen bei der Abschlussdiskussion sicher.

Unter dem Hashtag #jbiaz kann auf Twitter die Live-Berichterstattung von der Veranstaltung nachgelesen werden.

Das Projekt „In Zukunft mit UNS!“ der Baden-Württemberg Stiftung, das der Landesjugendring durchführt, unterstützt Jugendliche darin, sich aktiv, selbstbewusst und engagiert für eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und für mehr Demokratie in ihrem Lebensumfeld einzusetzen. Mehr zum Projekt: www.ljrbw.de/inzukunft-mituns

Bericht von Karoline Gollmer.