Jugendliche gucken in die Röhre

Landesjugendring Baden-Württemberg kritisiert Entscheidung der Ministerpräsidenten zum öffentlich-rechtlichen Jugendangebot

Nachdem die Entscheidung der Ministerpräsidentenkonferenz über ein öffentlich-rechtliches crossmediales Angebot für junge Menschen („Jugendkanal“) mehrmals vertagt wurde, entschied die Konferenz bei der Sitzung  am 16./17.10. die Beauftragung zur Umsetzung eines reinen Online-Angebots an ARD und ZDF. Eine konsequente Verschmelzung von Fernsehen, Hörfunk und Social Web-Angeboten, wie sie ursprünglich geplant war, ist damit erst einmal vom Tisch.

Peter Martin Thomas, Vorstandsmitglied im Landesjugendring BW und Vorsitzender des SWR-Fernsehausschusses, ist enttäuscht von der Entscheidung der Regierungschefs:
„Eine reines Online-Programm für junge Menschen ist ein denkbar schlechter Kompromiss. Das wird dem öffentlich-rechtlichen Auftrag, alle Altersstufen von ARD und ZDF zu erreichen, nicht gerecht. Dies ist nicht nur ein schlechter Tag für die Medienlandschaft, sondern auch für das Verhältnis von Politik und jungen Menschen.“

In die Röhre gucken vor allem die Jugendlichen, auf deren Bedürfnisse lediglich einzelne Sendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zugeschnitten sind. Das bemängelt auch Claudia Daferner, Fachvorständin für Medien:
„Die jungen Generationen von Mediennutzerinnen und -nutzern müssen zukünftig mit wenigen Qualitätsinhalten von ARD und ZDF für ihre Zielgruppe auskommen. Durch die Onlinebeauftragung wird nicht sichergestellt, dass diese Inhalte dann auch gut auffindbar sind. Mit der politischen Entscheidung gegen das Medienkonzept von ARD und ZDF wird die Position des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Dualen System geschwächt.“

Bereits seit 2004 fordert der Landesjugendring die Weiterentwicklung öffentlich-rechtlicher Jugendformate. „Die Entscheidung über Inhalte von Bildung, Information, Kultur und Unterhaltung darf nicht allein wirtschaftlichen Interessen überlassen werden“, heißt es in einem entsprechenden Positionspapier, „es muss den öffentlich-rechtlichen Anbietern ermöglicht werden, nachhaltig ein attraktives Programm zu bieten.“