Großes Potenzial – wenig Beteiligung

Außerschulische Partner der Ganztagsschule stellen Forderungen an Kultusministerium und Politik

Stuttgart. Vor dem „Ganztagsgipfel“ des baden-württembergischen Kultusministeriums am 24. November hat sich ein Bündnis außerschulischer Partner der Ganztagsschule aus Kirchen, Sport und Jugendarbeit mit einem Forderungskatalog zur Ganztagsschule zu Wort gemeldet. Den Initiatoren ist es wichtig, das bewährte Prinzip der Subsidiarität anzuwenden, nach dem der Staat seine Aufgaben generell an nichtstaatliche Organisationen überträgt und nur in Ausnahmefällen selbst übernimmt. 

„Gute Ganztagsschule bedeutet, dass sich die Schule für das Gemeinwesen öffnet, indem sie Vereine, Kirchen und Organisationen beteiligt. Schülerinnen und Schüler sollen dabei die ‚reale Welt‘ außerhalb der Schule mit ihren eigenen Prinzipien, zum Beispiel in der Kinder- und Jugendarbeit, kennenlernen“, heißt es in dem Diskussionspapier. Die außerschulischen Partner stellen weiter fest, dass ihr Potenzial für eine gute Bildung der Kinder und Jugendlichen bislang unzureichend berücksichtigt wird. Das vor kurzem eingeführte Prinzip der Monetarisierung wird von den Partnern begrüßt, müsse aber besser genutzt werden.

Bei der Monetarisierung können Schulleitungen die zusätzlichen Lehrerwochenstunden in Geldmittel umwandeln, um damit außerschulische Partner für ihren Einsatz an der Schule zu bezahlen. Damit dieses Instrument besser zur Geltung kommen könne, fordern die außerschulischen Partner eine Mindestquote der Monetarisierung oder ein Budget für die Schule. Wenn die Beteiligung der Zivilgesellschaft gelingen solle, müsse an den Schulen auf die Pluralität in der Kooperation mit den außerschulischen Trägern geachtet werden. Die Bildungspartner beobachten jedoch, dass nicht wenige Kommunen ihr eigenes Personal einsetzen und damit der Zielsetzung der bisherigen Regelungen, die vielen Akteure im Gemeinwesen und die Schule zu verbinden, entgegenwirken.

Qualitätssicherung durch partnerschaftliche Zusammenarbeit

Das Bündnis fordert zudem eine gemeinsame Arbeitsgruppe, in der neben dem Kultusministerium und den Schulträgern auch der Landeselternbeirat, der Landesschülerbeirat und die außerschulischen Partner beteiligt sind. In diesem Gremium sollen beispielweise die gesetzliche Regelung für die weiterführenden Schulen, Verwaltungsfragen oder Mustervereinbarungen „auf Augenhöhe beraten und konstruktiv weiterentwickelt werden.“

Mit dem heute den bildungspolitischen Sprechern und den Fraktionsvorsitzenden der Parteien im baden-württembergischen Landtag, sowie dem Kultusministerium, dem Städtetag, Landkreistag, Gemeindetag und der Presse zugeleiteten Forderungspapier möchten die Initiatoren zu einem „Dialog- und Kooperationsprozess mit Kultusverwaltung und Politik“ einladen und damit an der praxisorientierten Weiterentwicklung der Ganztagsschule in Baden-Württemberg konstruktiv mitarbeiten.

Diese außerschulischen Partner der Ganztagsschule haben die Forderungen
unterzeichnet:

  • Landesjugendring Baden-Württemberg e.V.
  • Landesarbeitsgemeinschaft Offene Jugendbildung Baden-Württemberg e.V.
  • Arbeitsgemeinschaft der Landjugendverbände in Baden-Württemberg
  • Bischöfliches Ordinariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart/Hauptabteilung Schulen/Referat GHWRS
  • Evangelische Landeskirche in Baden
  • Evangelische Landeskirche in Württemberg
  • Landessportverband Baden-Württemberg e.V.


Der Landesjugendring ist die Arbeitsgemeinschaft von 31 Jugendverbänden auf Landesebene und von den Orts-, Stadt- und Kreisjugendringen. Er vertritt darüber hinaus die Interessen von Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg.

Verantwortlich: Kerstin Sommer (Vorsitzende)