Förderprogramm „Prävention von Glücksspielsucht (Automatenspiel, Onlineglücksspiel, Sportwetten) bei riskant spielenden jungen Menschen“

Frist verlängert auf 31.10.2015!

Die Fachdebatte und die bisherige Entwicklung von Präventions- und Interventionskonzepten konzentriert sich vor allem auf Steuerungsmöglichkeiten über rechtliche Regelungen, z.B. das Landesausführungsgesetz zum Glückspielstaatsvertrag, Möglichkeiten der Beratung oder der ambulanten und stationären Therapie bei „pathologischer Glücksspielsucht“ oder Primärprävention über Aufklärung (Kampagnen, Unterrichtsmaterialien,  u.a.entwickelt im Bundesmodellprojekt „Frühe Intervention von Glücksspielsucht“).

Wenige Erfahrungen liegen bislang zu gezielten Präventionskonzepten für riskant spielende junge Volljährige (im Sinne von Sekundärprävention) vor. Nach  Einschätzung von Expert*innen aus dem Bereich der Suchtprävention, -beratung und -therapie ist es wichtig, diese Lücke zu schließen, da riskant spielende junge Volljährige über die Medien der Primärprävention nur in geringem Maße erreicht werden. Gleichzeitig finden sie bislang nur in wenigen Fällen Zugang zu Beratungs- und Therapieangeboten. F
achkräfte der Jugendsozialarbeit und Jugendarbeit dagegen erhalten in vielen Fällen Einblicke in das Spielverhalten der jungen Volljährigen und damit Anknüpfungspunkte für eine gezielte Präventionsarbeit.

Förderziele

Mit dem Förderprogramm sollen im Gesamten folgende Ziele erreicht werden:

  • Die sich im Zuge gesellschaftlicher Modernisierung neu zeigenden Problemlagen in Bezug auf riskantes Glücksspiel von jungen Menschen werden im Rahmen von sozialpädagogischen Praxisprojekten zeitnah aufgegriffen. Für die betroffenen jungen Menschen werden damit bedarfsgerechte und fachlich angemessene Hilfen zur Lebensbewältigung besonderer Risikolagen entwickelt, insbesondere auch in der Zusammenarbeit von Jugendarbeit (Jugendverbände, Sportvereine, Offene Jugendarbeit, kulturelle Jugendbildung) und Jugendsozialarbeit.
  • Die Projekte reflektieren die vorliegenden Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung und tragen zu einem Theorie-Praxistransfer sowie zu einer fachlichen und reflexiven Weiterentwicklung der Unterstützungsangebote  für benachteiligte junge Menschen in Baden-Württemberg bei.
  • Die Konzepte werden modellhaft in der Praxis erprobt und ausgewertet.Handlungsempfehlungen für die Übertragbarkeit auf andere Standorte werden formuliert.
  • Konsequenzen für eine Weiterentwicklung der Schnittstellen zu den benannten Handlungsfeldern und Hilfesystemen werden abgeleitet und notwendige und mögliche Schritte zur kooperativen Bearbeitung benannt.

Die Modellprojekte sollen insbesondere

  • geschlechtsspezifisch sowie migrations- und kultursensibel ausgearbeitet werden,
  • angemessene  Zugänge zur Zielgruppe nutzen und erproben, beispielsweise  durch aufsuchende Arbeit in  Spielhallen und Wettbüros oder über die Angebote von Sportvereinen, Jugendhäusern, Jugendverbänden oder Migrantenorganisationen,
  • innovative methodische Bearbeitungsformen entwickeln und erproben, beispielsweise Module zur niedrig-schwelligen Thematisierung und Bearbeitung von Glücksspielrisiken im Rahmen von Gruppenarbeit oder  gemeinwesenorientierte Interventionsstrategien (Runde Tische, Dialog mit Betreibern).

Form, Umfang und Dauer der lokalen Projektförderung

Gefördert und begleitet werden sollen mindestens acht lokale Projekte. Die Projektdurchführung muss mindestens neun Monate im Zeitraum von 15.11.2015 bis 30.11.2016 erfolgen. Bereits vor der Bewilligung begonnene Projekte können nicht gefördert werden.
Der Zuschuss kann bis zu 80% der zuwendungsfähigen Ausgaben umfassen und beträgt maximal 20.000 EUR.
Als zuwendungsfähige Ausgaben gelten alle zur Projektdurchführung notwendigen
–  Personalkosten: Kosten für unmittelbar in der Projektdurchführung  beschäftigte Fachkräfte (Teilzeit-Personalstellen, Honorare),
–  Sachkosten, z.B. Materialkosten, Raummiete, Portokosten.

Weitere Fördervoraussetzungen

  1. Die Maßnahme erfolgt in enger Kooperation von Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit mit Einrichtungen der Suchthilfe, -beratung und -prävention. Die Form der Kooperation ist im Antrag darzustellen und durch eine Bestätigung und Stellungnahme der kooperierenden Einrichtung zu belegen.
  2. Die Maßnahme ist in das lokale Konzept zur Prävention von Glücksspielrisiken (verhältnis- und verhaltens-präventive Maßnahmen) eingebettet (Befürwortung und Bestätigung der Gemeinde/Stadt).
  3. Die Projektverantwortlichen wirken an der Auswertung des lokalen Projekts im Hinblick auf die standort-übergreifenden Fragestellungen mit. Sie nehmen an den Fachveranstaltungen der Projektbegleitung teil und erstellen eine aussagekräftige Dokumentation nach vereinbarten Standards.

Antragsverfahren und Projektauswahl

Anträge sind bis 15.10.2015 mit dem Antragsformular zu richten an
LAG Jugendsozialarbeit
Regiestelle
c/o Diakonisches Werk Württemberg
Heilbronner Straße 180
70191 Stuttgart
Tel. 0711 1656-462
regiestelle.lag-jsa@diakonie-wue.de

Im Antrag sind insbesondere darzustellen:
–  Kenntnisse über die Zielgruppe
–  Konzeptionelle Eckpunkte des geplanten Projekts
–  Erfüllung der oben genannten Fördervoraussetzungen

Beizufügen ist eine Bestätigung und Stellungnahme der kooperierenden Einrichtung der Suchthilfe/Suchtprävention zur geplanten Kooperation.

Über die Vergabe entscheidet ein Programmbeirat. Folgender Zeitplan ist vorgesehen:
15.10.2015:  Bewerbungsfrist
bis 30.10.2015:  Projektauswahl und Mitteilung über die Bewilligung
ab 01.12.2015:  Start der lokalen Modellprojekte
bis 30.11.2015  Abschluss der lokalen Modellprojekte
bis 15.12.2015  Vorlage des Sachberichts und zahlenmäßigen Verwendungsnachweises durch die lokalen Projektträger bei der Regiestelle

Die Regiestelle berät auch bei der Projektentwicklung und Antragstellung.

Ausschreibung zum Download
Antragsformular zum Download