Die neue Ganztagsgrundschulverordnung (GTVO) ist veröffentlicht und in Kraft

Zum neuen Schulgesetz gilt die dazugehörende Verordnung (GTVO) rückwirkend ab 01. August 2014

Die Verordnung regelt in fünf Paragrafen das Verfahren, wie aus einer „klassischen“ Grundschule bzw. der Grundstufe einer Förderschule eine Ganztagsgrundschule wird:

  • bis zum 1. Oktober muss ein Antrag des Schulträgers beim Staatlichen Schulamt gestellt werden. Dem Antrag sind u.a. das pädagogische Konzept beizulegen sowie die räumlichen Voraussetzungen darzustellen.
  • es kann unter verschiedenen Modelle ausgewählt werden: Es gibt die verbindliche oder die Wahlform, an drei oder vier Tagen in der Woche mit sieben oder acht Zeitstunden.
  • Ganztagsschule ist eine Schulveranstaltung, daher gelten auch die entsprechenden rechtlichen Bestimmungen. Sie unterliegt außerdem der Schulpflicht.

Ein erstes Fazit lautet: wer kooperieren will, muss Überzeugungsarbeit leisten. Für die Kinder- und Jugendarbeit sind es im Wesentlichen drei Punkte, die im Falle einer Kooperation von Bedeutung sind.

1. Pädagogisches Konzept

Für einen Antrag ist ein pädagogisches Konzept (§1, Absatz 3, Ziffer 2) notwendig. Dieses ist die inhaltliche Grundlage für eine Kooperation. Da macht es natürlich viel Sinn, an diesem Konzept bereits im Vorfeld mitzuwirken. Darauf gibt es keinen Rechtsanspruch, denn das Konzept soll lediglich im Ergebnis den außerschulischen Partner einbeziehen (§2, Abs. 4). Hier ist zum ersten Mal Überzeugungsarbeit seitens des außerschulischen Trägers bereits im Vorfeld eines Antrags gefragt. Einzige Vorgabe nämlich für das Konzept ist eine so genannte Rhythmisierung des Ganztagsbetriebs, d.h. die unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Angebote sollen sich gemischt über den Tag verteilen. Antragsteller ist generell der Schulträger, also die Stadt bzw. Gemeinde, in der die Grundschule steht. Das könnte für manche Träger und vor allem für kommunale Einrichtungen ein wichtiger Zugang sein.

2. Lernort

Die Regelung für Lernorte außerhalb der Schule in § 2 Abs. 4 ist unbefriedigend und setzt die falschen Signale. Ein Angebot außerhalb der Schule kann nur bei „Vorliegen wichtiger Gründe“ stattfinden. Das bremst genau das, was seit langem unter dem Stichwort „Öffnung der Schule ins Gemeinwesen“ gefordert wird und fällt außerdem hinter die Regelung in der Rahmenvereinbarung zurück. Nun lassen sich sicherlich „wichtige Gründe“ zuhauf finden, aber die Schulleitung muss sich eigens auf die Suche danach machen. Nochmal ein Punkt für Überzeugungsarbeit.

3. Monetarisierung

Dabei geht es im §4 um die Möglichkeit, einen Teil der zusätzlich für den Ganztagsbetrieb zugewiesenen Lehrerwochenstunden in Geld umzuwandeln, um damit die Leistungen außerschulischer Partner zu finanzieren. Hier ist ein einfaches Verfahren vorgesehen. Die Schulleitung muss im Prinzip nur mitteilen, wie viele Stunden sie gerne in Geld umgewandelt haben möchte. Es sind keine aufwändigen Begründungen oder bürokratischen Hürden eingebaut. Auch hier ist – zum Dritten – wieder Überzeugungsarbeit nötig, schließlich muss ein Rektor oder eine Rektorin auf einen Teil der Lehrerwochenstunden verzichten.

Absatz 7 in §4 lässt eine Befreiung von der Schulpflicht für entgeltpflichtige Angebote zu. Gemeint sind hier vermutlich die Musikschulen, die durch die Ganztagsschule keine Kundschaft verlieren möchten. Inwieweit diese Regelung problematische Folgen für die in aller Regel unentgeltlichen Angebote der Kinder- und Jugendarbeit hat, muss die Praxis zeigen. Findet ein Angebot außerhalb der Ganztagsschule statt, wird es darüber auch nicht finanziert, insofern hält sich die praktische Relevanz vermutlich in Grenzen.

Zur Verordnung des Kultusministeriums über die Ganztagsschulen an Grundschulen und Grundstufen von Förderschulen (Ganztagsgrundschulverordnung – GTVO)

(auf Grundlage eines Artikels von Martin Bachhofer, AGJF)